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Wie Europa seine „Mitte“ wiederfinden kann

Mittwoch, den 28. März 2018 um 13:00 Uhr | Geschrieben von: ideaSpektrum

Europa steckt in einer tiefen Krise, die es nur durch die Rückkehr zu seinen christlichen Wurzeln lösen kann. Das sagte der Vorsitzende des Gemeindehilfsbundes, Joachim Cochlovius (Walsrode), bei einem Kongress des Vereins zum Thema „Die Zukunft Europas - Geistiges Erbe und christliche Verantwortung“ am 17. März vor 180 Teilnehmern im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen. Der fehlende Gottesbezug im Lissaboner Vertrag zeige deutlich, dass Europa kein einigendes Band mehr habe. „Europa hat seine Mitte verloren“, so Cochlovius.


Stattdessen habe sich „die neomarxistische Idee der Selbstbestimmung“ in großen Teilen Europas durchgesetzt. Nach dieser Ideologie solle der Mensch sich lösen von allen herkömmlichen Werten und Autoritäten und sich täglich neu erfinden. Das zeige sich etwa im liberalen Umgang mit Abtreibung und in zunehmenden Beziehungsproblemen in Ehe und Gesellschaft. Eine Abkehr von dieser Entwicklung sei nur möglich durch die Hinwendung zu Jesus Christus. „Wir Menschen sind Gottes Geschöpfe. Deswegen kann es sinnerfülltes Leben nur geben, wenn wir uns als Beziehungswesen entdecken und Ehe und Gemeinde als Einübungsfelder für gelingende Beziehungen ernstnehmen.“


Als beispielhaft für den Weg Europas in die Glaubensferne beschrieb die Philosophin Edith Düsing (Hilchenbach) den Werdegang Friedrich Nietzsches (1844-1900). Der Pfarrersohn Nietzsche habe durch die liberale Bibelkritik seinen christlichen Glauben verloren. Er habe hellsichtig vorausgesehen, dass dem Verlust des Glaubens in Europa „ein totaler Wertesturz folgen“ würde. Der Nihilismus als „Zeitalter vollendeter Sinnlosigkeit“ sei für das 20. und 21. Jahrhundert in Europa „unabwendbar“. Damit werde „die Basis von Menschenwürde, Glaube, Liebe und Hoffnung zermalmt“ werden, so Nietzsche. Die Ursache für den von Nietzsche ausgerufenen „Tod Gottes“ sei letztlich „das Sezieren, Zerlegen, Zerteilen des Bibeltextes“, sagte Düsing. Die Bibelexegese werde zum „Tatort des Gottesmordes“. Daraus entstehe der Nihilismus. „Der aber folgt, offen oder heimlich, der Maxime 'Nichts ist wahr, alles ist erlaubt'.“ Heute seien die Vorhersagen Nietzsches eingetreten, so Düsing. Die Naturwissenschaften etwa setzten ein „naturalistisches Menschenbild absolut“.


Der Europaleiter des Missionswerks DMG interpersonal, Gerald Häde (Sinsheim), sprach ebenfalls von einer geistlichen Krise Europas. Zugleich sehe er Hoffnungszeichen: In allen Ländern Europas kämen Menschen zum christlichen Glauben, gerade auch unter muslimischen Flüchtlingen. Alleine in Frankreich seien seit in den vergangenen 50 Jahren 1.750 Gemeinden neu entstanden. Häde zitierte einen Missionar der DMG, der unter Migranten arbeitet: „Es ist möglich, den Abwärtstrend zu stoppen. Man braucht nur etwas Salz.“ Auf der Tagung sprach auch der indische Philosoph und Theologe Vishal Mangalwadi (Allahabad/Bundesstaat Uttar Pradesh).


Ein weiterer Kongress des Gemeindehilfsbundes mit insgesamt 200 Teilnehmern zu demselben Thema fand vom 23.-25. März in Bad Teinach-Zavelstein (Nordschwarzwald) statt. Musikalisch wurde der Kongress durch Violinsoli der Komponisten A. Vivaldi und G. Fr. Händel von der Violinistin Judith Vera Bützberger (Basel) bereichert.

Simon Laufer, ideaSpektrum 13/2018

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