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Mißverstandene Liebe, innere Widersprüche, ethische Verantwortungslosigkeit

Montag, den 15. Juli 1996 um 00:00 Uhr

Eine nötige Orientierung zur sog. "Orientierungshilfe" des Rates der EKD zum Thema "Homosexualität und Kirche" Faltblatt 1. Aufl. Juli 1996; 4. Aufl. November 2001 (vergriffen)

Die im Frühjahr 1996 veröffentlichte "Orientierungshilfe" wurde vom Rat der EKD bei einigen Enthaltungen gebilligt. Sie wurde von einer zehnköpfigen Kommission verfaßt, die von Prof. W. Härle, Professor für systematische Theologie in Heidelberg, geleitet wurde. Diese Schrift wird die weitere innerkirchliche Entwicklung in der Frage einer Öffnung des Pfarramts für homosexuell lebende Männer und Frauen entscheidend beeinflussen, denn sie hält die Öffnung dort für verantwortbar, "wo die homosexuelle Lebensweise ethisch verantwortlich gestaltet wird". Die Ordination homosexuell lebender Männer und Frauen in den evangelischen Landeskirchen wird damit grundsätzlich freigegeben, so daß ihr bundesweiter Vollzug nur noch eine Frage der Zeit ist. Auch die öffentliche Diskussion wird in diesem Sinn beeinflußt, denn der Gesetzgeber wird ersucht, "im Blick auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften ... Benachteiligungen ... z.B. ... im Erb- und Mietrecht" aufzuheben. Die "Orientierungshilfe" umfaßt 6 Kapitel: "Homosexualität in der gegenwärtigen Diskussion", "Die biblischen Aussagen zu Sexualität und Homosexualität", "Formen des Zusammenlebens in Schrift, Bekenntnis und gegenwärtiger Lehre", "Homosexuelle Menschen in der Kirche", "Homosexuell lebende Menschen und das kirchliche Amt", "Segnung homosexueller Menschen". Die ganze Veröffentlichung leidet unter einem grundsätzlichen Mißverständnis des biblischen Liebesbegriffs, an erheblichen inneren Widersprüchen, und sie ist ein bedrückendes Beispiel theologisch-ethischer Verantwortungslosigkeit mit unabsehbaren Auswirkungen.

1.) Der mißverstandene Liebesbegriff

Es wird behauptet, "daß der im Liebesgebot ausgesprochene Wille Gottes ...auch für die Gestaltung homosexuellen Zusammenlebens" gelte. Für die Gestaltung einer homosexuellen Beziehung sei entscheidend, "ob sie in Liebe zu Gott und Menschen gelebt wird". Demgegenüber muß gesagt werden, daß weder die Liebe zu Gott noch die Liebe zu den Menschen homosexuelles Zusammenleben gestalten will und kann. Die Liebe zu Gott sucht Gottes Ehre und nimmt Gottes Wort ernst. Homosexuelles Zusammenleben nimmt aber Gott die Ehre, denn es vertauscht die von Gott geschaffene und gewollte gegenseitige Ergänzung der Geschlechter mit der selbstgewählten Fixierung auf das eigene Geschlecht. Und es nimmt Gottes Wort nicht ernst, denn es ist eine Tatsache, wie sogar die Verfasser der "Orientierungshilfe" feststellen, daß nach den biblischen Aussagen "homosexuelle Praxis dem Willen Gottes widerspricht". Die Liebe zu den Menschen sucht immer deren Bestes. Das Beste für uns Menschen ist es, als Geschöpf Gottes nach Gottes Willen zu leben und unter Gottes Segen zu stehen. Das homosexuelle Zusammenleben verleugnet dagegen sowohl die geschöpfliche Zuordnung der beiden Geschlechter, als auch den Willen Gottes, wie er in seinem Wort deutlich wird und schließlich auch den Segen Gottes, der nur denjenigen gegeben wird, die ihm gehorsam sind. Wahre Nächstenliebe weist den anderen auf Gottes Anspruch und Zuspruch hin. Sie zeigt ihm den Weg zu einem Leben, wie es Gottes Willen entspricht, und sie warnt vor einem Verhalten, das den Menschen vom Heil Gottes ausschließt (1.Kor. 6,9f.).


2.) Die inneren Widersprüche

2.1 Einerseits wird festgestellt, daß nach der Bibel homosexuelle Praxis dem Willen Gottes widerspricht, andererseits wird behauptet, daß den biblischen Schriften nicht zu entnehmen sei, "was sie zu der Gestaltung gleichgeschlechtlicher Beziehungen vom Liebesgebot her für eine Auffassung vertreten". Wie kann man in der Bibel Anweisungen zur Gestaltung von Beziehungen erwarten, die sie deutlich als gegen den Willen Gottes verstoßend bezeichnet? Ferner wird behauptet, daß "homosexuell geprägte Menschen, sofern ihre Prägung nicht korrigierbar ist, zweifellos zu den Wenigen gehören, die nicht zur Ehe geschaffen sind". Wie aber können homosexuell "geprägte" Menschen von Gott, der noch dazu in seinem Wort unmißverständlich homosexuelle Praxis verwirft, schon als solche geschaffen sein? Ein doppelter Widerspruch!

2.2 An mehreren Stellen der "Orientierungshilfe" wird auf die Widersprüchlichkeit der wissenschaftlichen Untersuchungen zur Frage der Entstehung der Homosexualität verwiesen. Trotzdem wird dann von Menschen gesprochen, "die eindeutig und unveränderbar homosexuell geprägt sind". Wenn letztlich nicht feststeht, wie Homosexualität zustande kommt, dann darf man auch keine grundsätzliche Aussage über ihre angebliche Unveränderbarkeit machen! Aber die Verfasser beschränken sich nicht nur auf entsprechende Aussagen (die übrigens einen homoerotisch empfindenden Menschen, der zur Normalität seiner Gefühle zurückfinden will, tief verunsichern können), sie bauen auf diesem Widerspruch auch weitgehende Ratschläge auf. "Eindeutig und unveränderbar homosexuell geprägten Menschen, ... denen das Charisma sexueller Enthaltsamkeit nicht gegeben ist, ist zu einer vom Liebesgebot her gestalteten und damit ethisch verantworteten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft zu raten". Ohne gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse, im klaren Widerspruch gegen das biblische Wort und auf der Grundlage eines mißverstandenen Liebesbegriffs wird hier im Namen christlicher Theologie zu einem homosexuellen Zusammenleben geraten, und das höchste Gremium der Evangelischen Landeskirchen, der Rat der EKD, billigt und veröffentlicht diese Thesen "in der Hoffnung", daß sie sich "als Basis für einen tragfähigen Konsens erweisen". Das ist ein einmaliger Vorgang in der jüngeren deutschen Kirchengeschichte, der in klarem Widerspruch zu den Lehrgrundlagen der EKD-Gliedkirchen steht!

2.3 Ein weiterer Widerspruch besteht zwischen der positiven Bewertung von Ehe und Familie als "soziale Leitbilder für das Zusammenleben von Menschen unter dem Aspekt der Sexualität und der Generativität" einerseits und andererseits der Behauptung, daß Menschen, "die eindeutig und unveränderbar homosexuell geprägt sind", sich nicht an diesen Leitbildern ausrichten "können" und "dürfen". Entweder sind Ehe und Familie soziale Leitbilder -, dann gelten sie für alle Menschen als gute Schöpfungsordnung Gottes (abgesehen von denjenigen, denen das Charisma der Ehelosigkeit gegeben ist). Dann muß sich auch christliche Theologie nach Kräften bemühen, ihnen in Gemeinde und Gesellschaft Geltung zu verschaffen. Und dann muß auch homoerotisch empfindenden Menschen, wenn sie eine Normalisierung ihrer Gefühlswelt anstreben, in geduldiger, liebevoller und vollmächtiger Seelsorge der Weg zu diesen Leitbildern geöffnet werden, so wie es auch z. Zt. des Paulus in Korinth geschehen ist (1. Kor. 6, 11). Oder Ehe und Familie haben eben doch als soziale Leitbilder ausgedient und jeder muß sich sein Leben nach selbstgewählten Leitbildern gestalten. Beide Auffassungen zugleich festzuhalten ist unmöglich.

3.) Ethische Verantwortungslosigkeit

Christliche Theologie hat die Aufgabe, den Menschen das Evangelium als den einzigen Weg zu einem Leben unter dem Segen Gottes zu verkündigen, denn es enthält die Antwort auf alle Sinn- und Lebensfragen der Menschheit. Der Mensch trägt diese Antworten nicht in sich, er muß sie hören. Die große Verantwortung der Kirche heute - im Wertepluralismus unserer Zeit - besteht darin, diese Antworten klar und unmißverständlich zu geben. Die innere Widersprüchlichkeit der "Orientierungshilfe" bewirkt statt dessen Verunsicherung und Unklarheit. Anstatt der christlichen Gemeinde die biblischen Weisungen und Verheißungen zu bezeugen, wird das Wort Gottes relativiert. Anstatt der Öffentlichkeit eine tragfähige ethische Orientierung auf der Grundlage der Gebote Gottes zu geben und den besonderen staatlichen Schutz von Ehe und Familie zu unterstützen, wird der Gesetzgeber um Schritte zur Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften ersucht. Noch bedenklicher aber ist die Auffassung, die im Kapitel "Homosexuelle Menschen in der Kirche" vorgetragen wird, nämlich daß die homosexuell geprägten Menschen selber entscheiden sollen, ob sie ihre Prägung annehmen wollen oder nicht. Entscheidungen setzen jedoch Maßstäbe voraus. Es ist ethisch verantwortungslos, von Menschen in einer Konfliktlage Entscheidungen zu verlangen, ohne ihnen tragfähige Maßstäbe und Leitlinien anzubieten. Genau dies unternimmt aber die "Orientierungshilfe". Anstatt klar das Evangelium auszusprechen, daß Gott der Schöpfer die Polarität der Geschlechter uns als gute Schöpfung geschenkt hat, daß Jesus Christus als der Heiland alle inneren Verletzungen, Fehlprägungen und unsere ganze schuldhafte Vergangenheit heilen, neu ordnen und wegnehmen kann, und daß wir in der Kraft des Heiligen Geistes ein neues, Gott gefälliges Leben beginnen und führen können, lassen die Verfasser und der Rat der EKD die homosexuell empfindenden und geprägten Menschen in einer so wichtigen Existenzfrage mit sich selbst allein. Hier regiert - trotz gegenteiliger Beteuerung - nicht die Liebe Christi, sondern das Leitbild des autonomen Menschen, der über sich selbst die letzte Entscheidung haben will. Das ist verantwortungslos, und es ist im tiefsten Sinn Verrat am Evangelium.

Herausgeber:

Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium"
Gemeindehilfsbund (Gemeinnütziger Verein)
Evangelischer Aufbruch (Mittelrhein (EAM))

Weitere Erstunterzeichner

  • Aktion christliche Gesellschaft e.V.
  • Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) (Martin Pflaumer, Ratsvorsitzender)
  • Arbeitskreis "Laien in der Kirche" Rheinland
  • Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium" Rheinland e.V.
  • Biblischer Arbeitskreis Kassel
  • Christen für die Wahrheit (cft) Deutschland
  • Ev. Sammlung im Rheinland
  • Ev. Sammlung in Württemberg
  • Freie Theologische Akademie (FTA) Gießen
  • Hauptverein der Ev. -luth. Gebetsgemeinschaften e.V.
  • Initiative für bibeltreue Hochschulen
  • Lutherischer Konvent im Rheinland
  • Pfarrer-Gebetsbruderschaft (PGB)
  • Pro Conscientia e.V.
  • Studiengemeinschaft "Wort und Wissen"
  • Theologischer Konvent der Konferenz Bekennender Gemeinschaften
  • (Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Beyerhaus, Präsident)

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Wir sind ein bundesweit tätiger gemeinnütziger Verein evangelischer Christen (siehe "Geschichte") und bieten im kirchlichen Lehrpluralismus seelsorgerliche Hilfe...

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